Winterschlafplätze für Igel

Wenn die Temperaturen länger unter 5°C fallen,  die Tage kürzer werden und das natürliche Nahrungsangebot abnimmt, geht unser heimische Igel in den Winterschlaf. Je nach Temperaturverhältnissen gehen Männchen etwas eher in den Winterschlaf (Oktober/ November), Weibchen und Jungtiere meist etwas später (November bis in den Dezember). Damit er ungestört die kalte Jahreszeit verschlafen kann und im nächsten Frühjahr auch wieder aufwacht, sind für den Igel zwei Aspekte ganz maßgeblich:

  • er konnte sich genügend Fettreserven anfressen und hat mindestens das kritische Minimalgewicht von 500 g (bei Jungigeln), besser 800 g (erwachsene Igel) erreicht.
  • er findet einen geeigneten, trockenen und geschützten Winterschlafplatz
Ab dem Herbst wird es für Igel immer schwieriger, noch ausreichend Futter für ihren Winterspeck zu finden. – Foto: pexels | monicore

Gut vorbereitet in den Winterschlaf – So helfen Sie dem Igel

Auch Sie können dem einheimischen Stacheltier mit ein paar wenigen Dingen helfen, sodass er gut vorbereitet in den Winterschlaf gehen kann und die kalte Jahreszeit gut übersteht:

  • Stellen Sie an einer vor Regen geschützten Stelle kalorienreiches Futter für Igel bereit. Geeignet ist fleisch- und fettreiches Katzennassfutter ohne Sauce oder Gelee, zuckerfrei und ohne Getreide. Katzentrockenfutter mit einem Fleischanteil von mind. 40% ist ebenfalls geeignet. Im Handel erhältliches Igelfutterist in den meisten Fällen leider ungeeignet. (Mehr Informationen: geeignetes Igelfutter)
  • Stellen Sie auch eine Schale mit Wasser auf
  • Entfernen Sie jetzt keine Laub- oder Reisighaufen mehr in Ihrem Garten. Belassen sie sie an einer wind- und regengeschützten Stelle, an welcher der Igel ungestört den Winter verschlafen kann, z.B. unter Hecken und Gehölzen, in wenig frequentierten Ecken Ihres Gartens oder in der Nähe des Komposthaufens.
  • Alternativ können Sie dem Igel auch ein Igelschlafhaus anbieten, entweder gekauft oder selbstgebaut.
  • Achten Sie auf umherirrende Igel bei Tageslicht. Gerade viele Jungigel sind jetzt noch unterwegs auf Futtersuche. Versuchen Sie, sie zu wiegen und ihr Gewicht zu überprüfen. Untersuchen Sie den Igel bei dieser Gelegenheit gleich auf sichtbare Parasiten (Zecken, Fliegeneier) und/ oder Verletzungen. Entfernen sie Zecken und Fliegeneier nach Möglichkeit.
Ein sicher geschichteter und vor Regen geschützter Holzstapel mit freien Hohlräumen ist ein willkommenes Versteck und Überwinterungsquartier für Igel – Foto: pixabay | ErikaWittlieb

Wenn ein Igel Hilfe braucht: Wichtige Alarmzeichen

Nicht alle Igel sind hilfsbedürftig. Es gibt jedoch wichtige Anzeichen, die immer ein Hinweis darauf sind, dass es einem Igel nicht gut geht und er Hilfe benötigt:

  • wenn ein Igel tagsüber unterwegs ist, erst recht wenn es bereits sehr kalt ist oder schon Schnee liegt
  • wenn der Igel geschwächt, krank oder unterernährt wirkt. Bei unterernährten Igeln ist der Hals sichtbar und seine Flanken sind eingefallen (Taille). Gesunde Igel sind nahezu kugelrund.
  • wenn der Igel auf der Seite liegt, Durchfall hat oder erbricht oder auch Lähmungserscheinungen aufweist. Hier können Vergiftungen, aber auch Erschöpfung, Mangelernährung und Krankheiten die Ursachen sein.  In diesem Fall sollte der Igel so schnell wie möglich einem igelkundigen Tierarzt vorgestellt werden
  • wenn der Igel übermäßig mit Zecken oder Fliegeneiern befallen ist

Sie haben einen hilfsbedürftigen Igel gefunden? Hier gehts zu den Erste Hilfe-Maßnahmen

Gartenarbeiten im Herbst: Auf Igel achten!

Die letzten Sonnenstrahlen im Herbst locken Haus- und Schrebergärtner in ihre Gärten. Da steht der Pflegeschnitt für Obstbäume an oder ein Heckenschnitt, allgemeine Aufräumarbeiten und das Zurückschneiden von Stauden. Und der Komposthaufen könnte auch umgesetzt werden… Doch in dieser Jahreszeit ist besondere Vorsicht bei der Gartenarbeit geboten. Denn viele Igel haben vom August bis September noch Junge, halten sich in Verstecken auf und bereiten schon ihre  Winterquartiere vor. Deshalb bitten wir Sie als Gärtner und Gärtnerin um besondere Vorsicht beim Herbstputz in Ihrem Garten.

Herbstlaub und Reisig liegen lassen

Heruntergefallenes Laub, dünne Zweige und Moos sind ideales Dämm-Material für das natürliche Winterquartier der Igel. Werfen Sie deshalb Herbstlaub nicht in den Abfall. Schichten Sie es stattdessen locker auf einen Haufen auf an einer regengeschützten oder abgedeckten Stelle. Das kann auch unter einer Gartenbank oder dem Vordach auf Ihrer Terasse sein. Lassen sie Laubhaufen bis zum Frühling in Ihrem Garten. Danach kann es kompostiert oder als Mulchschicht auf Beeten verwendet werden.

Foto: pixabay | Skitterphoto

Vorsicht beim Umsetzen von Komposthaufen

Auch abgedeckte Komposthaufen sind sehr beliebte Schlafplätze für Igel. Falls Sie ihren Komposthaufen umsetzen möchten, gehen Sie bitte sehr vorsichtig vor, denn ein Igel könnte es sich darin gemütlich gemacht haben. Vermeiden Sie deshalb scharfe und spitze Gartengeräte, solange Sie den Komposthaufen nicht sicher auf etwaige Igel überprüft haben. Sonst könnten Sie sie schwer verletzen.

Weil Komposthaufen bei ihrer Verrottung Wärme abgeben, eignen sie sich auch sehr gut als Überwinterungsquartier für Igel. Voraussetzung dafür ist, dass das Material lose genug aufgeschichtet und somit genügend Hohlräume hat (z.B. durch grobe Äste u.ä.). Dadurch können Igel im wärmeren Innenkern des Komposthaufens den Winter gut überstehen. Wenn Sie zusätzlich Ihren Komposthaufen lose mit einer regendichten Plane abdecken, wird er von Igeln als Winterschlafplatz sicher gern angenommen.

Ab dem Herbst wird es für Igel immer schwieriger, noch ausreichend Futter für ihren Winterspeck zu finden. – Foto: pexels | monicore

Der Igel im Frühsommer & Sommer

Naturnahe Gärten, in denen auf Chemie verzichtet wird, sind beliebte Lebensräume für Igel
Foto: pixabay | 65294

Ab Mai sind viele Igel in Paarungslaune. Igelweibchen suchen schon jetzt geeignete Nistplätze, um später ihre Igeljungen aufzuziehen. Ideal sind abgelegene, ungestörte und trockene  Hohlräume unter Hecken und Sträuchern, unter Holzstapeln und Steinhaufen, und auch der warme Komposthaufen wird gern genutzt. Seien Sie deshalb bei der Gartenarbeit jetzt besonders aufmerksam beim Umsetzen von Holzstapeln und Komposthaufen und achten Sie auf potentielle Igelnester und -schlafstellen. Verzichten Sie dabei auf spitze und scharfe Gartengeräte. Besonders Motorsensen, Balken- und Rasenmäher, unbeaufsichtigte Mähroboter aber auch elektrische Heckenscheren werden schlummernden Igeln oft zum Verhängnis und können sie lebensgefährlich bis tödlich verletzen. Deshalb bitte vor den Mäh- und Schnittarbeiten auf Wiesen und unter Hecken vorher kontrollieren, ob sich dort Igel befinden. Mähroboter bitte niemals unbeaufsichtigt oder nachts laufen lassen!

Meist paaren sich Igel im August ein zweites Mal. Auch hier gelten die oben genannten Vorsichtsmaßnahmen und Hinweise zu geeigneten Nistplätzen. Da diese Igeljungen sehr spät im Jahr geboren werden, haben sie kaum noch genügend Zeit, sich ausreichende Reserven für ihren Winterschlaf anzufressen. Deshalb ist es im Herbst bis zum Einbruch der ersten Minusgrade ganz besonders wichtig, jungen Igeln durch Zufütterung zu helfen.

Bei Bedarf zufüttern

Igelweibchen verbrauchen für die erfolgreiche Aufzucht ihrer Jungen eine Menge Kraft- und Fettreserven. Das Nahrungsangebot für Igel hält sich in Gärten  und Parks noch relativ in Grenzen. Besonders das Insektensterben macht den Igeln zu schaffen: sie finden nicht mehr ausreichend Nahrung. Helfen Sie Igeln in Ihrem Garten jetzt durch regelmäßige Zufütterung. Wir haben Ihnen Informationen für geeignetes Igelfutter auf unserer Website zusammengestellt.

Foto: pixabay | Coleurs

Igel brauchen Wasser

Auch Igel haben Durst und brauchen Wasser, um nicht zu verdursten. Gerade in lang anhaltenden Trockenperioden wie sie derzeit vorkommen (2 Wochen oder länger ohne Regen), ist es essentiell für den Igel, dass er immer Zugang zu einem Schälchen mit Trinkwasser (keine Milch!) hat.