Lebensraum

Vermutlich haben Igel ganz früher noch in Wäldern gelebt. Die heutigen Wirtschaftswälder haben mit diesem ehemaligen Lebensraum allerdings nichts mehr gemein. In den ursprünglichen Wäldern nutzte der Igel Büsche und Hecken, hohle alte Baumstämme und Höhlen zum Verstecken, Schlafen und Nisten. Und weil die Wälder oftmals nicht so aufgeräumt waren wie die heutigen, fand er Futtertiere in Hülle und Fülle, die seine Ernährung sichern konnten. Glücklicherweise lässt sich seit einiger Zeit in einigen unserer Wälder allmählich ein Trend erkennen, der schrittweise wieder zum naturbelassenen Wald zurückkehrt: umgestürztes, verrottendes Totholz, in dem sich Käfer wohlfühlen und vermehren und der „Wildwuchs“ mit Laub- und Reisighaufen sind geradezu perfekt für den Igel.

Naturbelassene Urwälder mit alten Baumriesen, Wurzelhöhlen und Totholz sind heute selten geworden.

Doch es wird noch etwas dauern, bis sich unsere Wälder von den Eingriffen des Menschen wieder vollständig erholt haben. So musste sich der Igel anpassen und hat sich ausgerechnet dem Menschen angeschlossen und teilt sozusagen zwangsläufig dessen Lebensraum. So findet man den Igel heute in Gärten und Parks, auf Wiesen und Höfen, ja selbst in Vorgärten und Grünstreifen am Straßenrand, sofern sie genügend Hecken und Gebüsche bieten, kurzum: fast ausschließlich in der Nähe menschlicher Siedlungen. Deshalb ist der Igel ein sogenannter „Kulturfolger“.

Der ideale Lebensraum für den Igel

Der Igel fühlt sich dort wohl, wo sein Lebensraum abwechslungsreich und reich gegliedert ist. Er benötigt Hecken und Gebüsche zum Schlafen und Nisten ebenso wie geschützte Unterschlüpfe für seinen Winterschlaf. Fast noch wichtiger ist ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Nahrungsangebot, welches der Igel vor allem in Totholzhaufen, Hecken und Wiesen findet. Die Monokulturen in der freien Landschaft und aufgeräumte Grünflächen und Gärten, in denen womöglich auch noch Pestizide zum Einsatz kommen, können dem Igel diesen Lebensraum verständlicherweise nicht bieten.

Naturnahe Gärten mit abwechslungsreicher Struktur, heimischen Gehölzen und Wildkräutern sind der ideale Lebensraum für Igel

Naturnahe Gärten und Grünflächen sind ein sehr guter Anfang, um Igeln einen geeigneten Lebensraum zu bieten. Doch weil der Igel einen recht großen Aktionsradius hat, muss es mehr solcher naturbelassenen Flächen geben und sie müssen ausreichend groß sein. Ein Igelmännchen kann in ländlichen Gegenden einen Aktionsraum von bis zu 100 Hektar (1 km2) in Beschlag nehmen, bei Weibchen liegt er bei 30 Hektar (300.000 m2). Zum Vergleich:  die Insel Mainau am Bodensee ist 45 Hektar groß, beim Igelmännchen bewegen wir uns in Größenordnungen wie dem Bürgerpark in Bremen mit einer Gesamtfläche von 1,37 km2. Obwohl der Aktionsradius von Igeln in städtischen Gebieten wesentlich kleiner ist, wird anhand dieser Größenverhältnisse deutlich, dass ein einzelner Naturgarten für den Igel als Lebensraum zwar erfreulich, aber dennoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein kann.

Igel sind Einzelgänger und werden nur während der Paarungszeit zwischen Mai und August gesellig. Obwohl sich Igel während ihrer Streifzüge innerhalb ihres Aktionsraumes gelegentlich über den Weg laufen, verteidigen sie ihren Lebensraum nicht gegen ihre Artgenossen.